Wohlbefinden beurteilen

Ein Tierarzt stütz sich bei der Beurteilung eines Tieres in erster Linie auf die Krankheitssymptome um eine Einschätzung darüber zu erhalten wo das Tier zwischen Top Fit und Sterbenskrank ist.  

 

Als Tierpfleger:in achtet man darauf, einen Gang zum Tierarzt möglichst zu vermeiden und sich zur Gesundheit des Tieres schon weit vorher Gedanken zu machen was es benötigt, damit es möglichst gar nicht so weit kommt. Dabei helfen die biologischen Merkmale der Spezies aus den Bereichen Anatomie, Ökologie, rassespezifisches Verhalten, Ansprüche und Bedürfnisse. Die Kenntnis der Wildformen ist ebenfalls hilfreich.

 

Es gibt viele Anzeichen die darauf hindeuten, dass etwas im Busch ist und es wäre fahrlässig, das auf einen schlechten Tag zu schieben und zur Tagesordnung überzugehen.

 

Tiere sind Meister im Verbergen von Krankheiten! Das hat verhaltensbiologische Gründe auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Doch genau aus diesem Grund kann es manchmal sehr schnell gehen und ein Tier ist ernsthaft krank.  Beispiel Appetitlosigkeit: nur schon die Tatsache, dass der Hund gut längere Zeit ohne Nahrung sein kann, ist das bei der Katze ein no go und rasch lebensbedrohlich. 

Auch bei Rassezuchten, die in Grösse und Gewicht, egal ob ins Minus oder ins Plus, deutlich bis extrem von der Wildform abweichen ist in Bezug auf das Wohlbefinden hohe Aufmerksamkeit von den Pflegenden gefordert. Übergrosse Tiere haben zum Beispiel Gelenk- und Herzprobleme, Minis zuwenig Raum im Schädel für ihr Hirn.  Um ein permanentes Wohlbefinden für das Tier erreichen zu können sind bereits häufig bereits früh Medikamente notwendig.

 

Fällt Ihnen an Ihrem Stubentiger oder Rutenwedler etwas ungewöhnliches auf, notieren Sie das im Tagebuch oder Kalender. So sehen Sie, ob es sich wiederholt, in welchen Intervallen oder Situationen. Wiederholt sich das Erbrechen, die Appetitlosigkeit, der Durchfall? 

Weitere Anzeichen, dass etwas aus der Bahn geraten ist können Fellveränderungen, Nickhautvorfälle, abgebrochene Vibrissen, verändertes Verhalten und vieles mehr sein. 

 

Je früher man die Anzeichen abklärt, je besser der Erfolg auf Heilung und auch in Bezug auf das Wohlbefinden des Tieres. Die guten sollten die schlechten Tage immer überwiegen!

 

Noch ein Wort zu Langhaartieren, insbesondere Katzen: Sie müssen zwingend täglich gekämmt werden denn die Tiere kommen allein mit dem angeborenen Fellpflegeverhalten mit dem Fell nicht zurecht.  Ein verfilztes Fell ist für das Tier eine Qual! Die Haut wird krank und entzündet mit all den unschönen Folgen. Auch schränkt Filz die Bewegungsfreiheit ein. Sie möchten das Testen? Ok, schmieren Sie sich dort wo Sie Körperhaare haben (Achseln, Schritt) die Haare mit Wachs ein, lassen es trocknen und gehen dann ihren täglichen Tätigkeiten nach - sie werden fluchen! Katzen mit verfilztem Fell sind zur Untätigkeit verdammt, sie lassen das Klettern und Toben nicht deshalb bleiben weil sie von ruhigem Temperament sind, sondern weil Bewegung schmerzt.